01.11.2015: Loxine - Smerdon 1/2-1/2 (BL 15/16 USV TU Dresden - Werder Bremen, Emsdetten)PGN-Datei herunterladen
C.D. Meyer

 

SKANDINAVISCHE SPEZIALITÄTEN (Eine abenteuerliche Skandinavisch-Rundreise mit GM David Smerdon) Werders australischer Großmeister hatte letztes Jahr als Newcomer in der 2. Bundesliga-Runde mit einem rasanten Debüt im Bremer Weserstadion für Aufsehen gesorgt. Dabei triumphierte er mit seiner aggressiven Behandlung der Skandinavischen Verteidigung. Inzwischen hat er mit weiteren beeindruckenden Partien seinen Ruf als profunder Skandinavisch-Experte auch hierzulande festigen können. Bei Durchsicht meiner Datenbanken entdecke ich zahlreiche erfolgreiche Smerdon-Skandinavier. Und, wie ich überdies gerade bemerkt habe, hat der Australier seine großen praktischen Erfahrungen mit Analysen kürzlich in dem Buch "Smerdon`s Scandinavian" (Everyman Chess 2015) niedergelegt. Angesichts meiner Unkenntnis dieser faszinierenden Verteidigung, bei der es offenbar noch einiges zu entdecken gibt, sowie meiner Neugier werde ich mir Smerdons Werk freilich unverzüglich zukommen lassen. Auch in der vorliegenden Partie gelingt es dem rauflustigen Taktiker mit attraktivem Skandinavisch das Brett schnell in Flammen zu setzen.

1. e4 d5 2. exd5 Sf6

3. Sf3 3. ... Dxd5 4. d4 Lg4 5. Le2 Sc6 Läßt dem Gegner eine große Auswahl. Nun kann man sich leicht im "Skandinavisch-Labyrinth" verlieren. Die Stellung ist übrigens auch über die Zugfolge 1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 3.Sf3 Lg4 4.Le2 Sc6 5.d4 0-0-0 zu erreichen. 6. c4 6. ... Df5 7. Le3 7. ... O-O-O 8. O-O Beachtenswerte Alternativen sind 8.Sbd2 und 8.Sc3. e5 9. d5 e4 10. Sd4 10. ... Sxd4 11. Lxd4 Ld6 12. Te1 Um zumindest etwas Vorteil erlangen zu können, ist dieser Turmzug zu langsam. Andere Möglichkeiten, z.B.: 12. ... h5 ! Ein vielseitig nützlicher Zug, wie sich sowohl in der Partiefolge als auch in manchen Varianten zeigt. 13. Sc3 Diese Springerentwicklung kommt um einen Zug zu spät, da der folgende Gegenstoß jegliche Hoffnung auf Vorteil zunichte macht! 13. ... c5 ! Entpuppt sich nach heftigen Turbulenzen am Ende als Remiskeule. 14. dxc6 Die Öffnung der d-Linie erzwingt den folgenden Schlagwechsel. 14. ... bxc6 15. Da4 15. ... Lxh2+ ! Was denn sonst? 16. Kxh2 Txd4 17. Dxa7 17. ... Dxf2 ! mit der tödlichen Drohung ...Lxe2 bzw. ...Lf5 18. Da8+ Damit macht Weiß keine Experimente und gibt Dauerschach, während die folgende Alternative noch einigen Zündstoff birgt. Merkwürdigerweise zeigt aber auch die tiefergehende Analyse in allen Varianten, selbst nachdem aus allen Rohren geschossen wurde, völliges Gleichgewicht bzw. Frieden durch Dauerschach. Hierzu nur ein etwas ausführlicheres Beispiel: 18. ... Kc7 19. Da7+ Kc8 20. Da8+ Kc7 21. Da7+ und einmal mehr "ewiges Schach" - ein herrliches Kampfremis
1/2-1/2